Traditionelle Berufe

WAEHREND VIELE ALTE HANDWERKSBERUFE IN ANDEREN TEILEN GRIECHENLANDS VERSCHWUNDEN SIND, SIND SIE AUF KRETA NOCH IMMER LEBENDIG.

Viele Gegenden der Insel haben sich der Invasion der modernen Technik bis heute erwehrt. Töpfer in Thrapsano, Kentri und Margarites formen den Ton noch heute wie die Minoer vor tausenden Jahren. Hunderte Gefäße, die mit den Fundstücken in den minoischen Palästen identisch sind, werden noch heute zur Aufbewahrung von Olivenöl, Getreide und sonstigen landwirtschaftlichen Produkten verwendet.

Tischler stellen aus Holz traditionelle Musikinstrumente her, wie z. B. die Lyra und die Laute. Die Orte Vori, Zaros, Rethymnon, Neapolis und Kritsa sind berühmt für ihre lange Tradition bei der Herstellung und Entwicklung solcher Instrumente. Schuster in Großstädten und in Dörfern wie Anogia fertigen die traditionellen stivania, robuste kretische Lederstiefel, an. Messerhersteller in Chania und Heraklion erzeugen aus Stahl das berühmte kretische Messer, den treuen Begleiter jedes Kreters. Eingravierte Darstellungen und Gedichte zieren die Klingen.

Frauenkooperativen in allen größeren Dörfern fertigen Textilarbeiten an den Webstühlen an, wobei die Webtechniken dieselben sind wie zu den Zeiten der Minoer. Das Sariki (kretisches Kopftuch mit Fransen, die an Tränen erinnern) symbolisiert die Klagen über das Elend, das Kreta in den vergangenen Jahrhunderten erlitten hat. Das schwarze Sariki wird als Zeichen der Trauer getragen, das weiße Sariki hingegen als Zeichen der Freude bei Hochzeiten, Festen, Geburten und Taufen.

Holz- und Marmorbildhauer erwecken die Naturmaterialien der Insel zum Leben, indem sie Holz und Steine bearbeiten und kunstvolle Arbeiten, insbesondere sakrale Kunst, herstellen. Gäste können Ausstellungen zu Holzschnitzereien in den Dörfern Axos und Asteri besuchen sowie Marmorarbeiten im Rahmen des internationalen Skulptursymposiums in Venerato bestaunen.

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Kunsthandwerk

Die Spuren der minoischen Zivilisation, was in anderen Worten die Archäologen ans Licht gebracht haben, beweisen, dass die antiken Kreter geschickte Kunsthandwerker waren.

Man kann den kulturellen Reichtum dieses Landes auch in den Hand- und Heimarbeiten der Bewohner erkennen, da einst die Isolation und die sozialen – historischen Bedürfnisse die Autarkie der Inselbewohner verlangten. Die lange Tradition und die mehreren kulturellen Einflüsse haben dazu beigetragen, dass noch heute die Kreter sich künstlerisch durch die Herstellung von kunsthandwerklichen Erzeugnissen ausdrücken. Man kann sehr leicht traditionelle handgemachte Produkte finden, deren Technik auf die Antike zurückführt.

Die langjährige Tradition setzt sich noch heute in anderen Kunstformen fort: Keramik, Weberei und Mikroskulptur sind einige der Tätigkeiten, die ein Bild der modernen lokalen kunsthandwerklichen Herstellung bieten. Die Notwendigkeit, autark zu sein, förderte diese Hand- und Heimarbeiten wegen der besonderen Geomorphologie des Gebiets und der gegebenen historischen Zustände. Die Hand- und Heimarbeit haben eine lange Tradition und werden noch heute in einigen Dörfern auf dem Hinterland ausgeübt, deren Bewohner wertvolle traditionelle Produkte einzigartiger Eleganz herstellen, z.B. gewebte und keramische Produkte.

 

WEBEREI

Die traditionelle Weberei und Stickerei sind Kunsthandwerke, worin Kreta eine lange Tradition hat und welche noch heute ausgeübt werden, moderne ausgezeichnete Produkte herstellend.  Die dekortierten und farbenfrohen, gewebten Produkte Kretas aus Wolle, Leinen, Baumvolle und Seide werden an den traditionellen Webstühlen verwebt; fast in allen Häusern der Bergdörfer gibt es einen Webstuhl. Außer den geometrischen Figuren bilden die dekorativen Motive auch die Natur und die menschlichen Tätigkeiten ab. Die aus Wolle bestehenden Kelims, die gewebten Wolldecken, die mehrfarbigen Säcke (die sogenannten „Vourgies“), die Baumwoll- oder Leinenbettwäsche, die Handtücher und die Seidenkleider sowie die verschiedenen Kleidungsstücke sind zu den bekanntesten Produkte der kretischen Weberei zu zählen. Die kretischen Stickereien sind bekannt für ihre mehrfarbigen Abbildungen, deren Themen aus der Natur oder dem Alltag kommen und deren Motive auf die minoische und die byzantinische Zeit zurückgehen.

Die Stickereien und die gewebten Produkte werden meistens mit gestrickten Spitzen verziert, deren Figuren und Motive wunderschön sind. Die wichtigsten Webereizentren befunden sich im Bezirk von Sfakia und in den Dörfern Anogia, Krousonas, Zaros am Psiloritis-Gebirge, Kritsa und Viannos am Dikti-Gebirge sowie in den Bergdörfern von Sitia.

Obwohl die Weberei heute nur in den Bergdörfern am Psiloritis-Gebirge (Krousonas, Gergeri, Zaros) und am Dikti-Gebirge (Viannos) ausgeübt wird, herstellen meistens die älteren Frauen noch heute einzigartige kretische gewebte Produkte, der langjährigen Tradition folgend. In den Bergdörfern des Bezirks Mylopotamos, d.h. Anogia, Zoniana und Livadia, doch überall im Bezirk von Rethymno, blüht die traditionelle Weberei, Stickerei und Wirkerei, womit sich die Frauen in ihrer Freizeit meistens beschäftigen. Die Mutter gibt an ihre Tochter die entsprechende Technik weiter, wenn sie die Mitgift vorbereiten, d.h. die gesamte Bekleidung, die die Braut mitnimmt, wenn sie ihr Vaterhaus verlässt.

PFLANZENFARBEN

In Zusammenhang mit der Weberei bearbeiteten und färbten mit pflanzlichen oder tierischen Farben selbst die Frauen in früheren Zeiten die erforderlichen verwendeten Rohstoffe, z.B. das Leinen, die Wolle und die Seide, einer langjährigen Tradition folgend.  In der minoischen Zeit, und zwar später wurde der Purpur der Muschel für die rote Farbe genutzt. Die rote Farbe kam auch aus einem Insekt auf den Blättern der Kermeseiche, der Eiche und der Zeder, dem sogenannten „Kermes“ oder „Prinokouki“, sowie aus der Alge und dem Färberkrapp.

Für die gelbe Farbe wurden die Blätter des Mönchpfeffers und die Narzissen, der Eidotter, die Schalen des Granatapfels sowie der Strauch mit dem lokalen Name „Agkoutsia“ genutzt. Die Schale der Wallnüsse und die Blätter des Nussbaums und der Platane gaben die braune Farbe, während die Blätter des Mandelbaums, des Granatapfelbaums und der klebrige Alant“ (inula viscose) die grüne Farbe gaben. Aus der Indigopflanze kam direkt das Indigo; für die schwarze Farbe wurde Ruß und für die braune Farbe Rost genutzt.

KERAMIK

Die archäologischen Befunde beweisen, dass die Kunst der Keramik eine lange Geschichte hat. Keramikkrüge von einzigartiger Ästhetik und Technik werden mit Naturabbildungen dekoriert, was die künstlerischen Fähigkeiten der Minoer zeigt. Diese antike Kunst lebt noch heute und zwar hat sich im Laufe der Zeit entwickelt; heute gibt es in Thrapsano (Heraklion) Handwerker, die der antiken Tradition folgen und nützliche und dekorative Gegenstände von besonderem Wert schaffen.

Früher gab es mehrere Keramikwerkstätten im Lasithi Bezirk, welche Alltagsgeschirr sowie Geschirr für die Lebensmittellagerung herstellten. Heute setzt sich in Kentri die Kunst der Keramik fort, wobei die keramischen Gegenstände durch dieselbe von Minoern verwendete Technik hergestellt werden.

Der Tradition folgend werden einige Kunsthandwerke eigentlich von gesamten Dörfern ausgeübt, wie das Dorf Noulismeni (Lasithi), worauf sich die lokale Wirtschaft stützt. Im Dorf Margarites beschäftigen sich die Bewohner hauptsächlich mit der Keramik und herstellen nicht nur dekorative sondern auch nützliche Gegenstände.  Zudem hat das Dorf Alfa eine Tradition in Steinbildhauerei dank des weißlichen, relativ weichen, im Gebiet abgebauten Steins, der für Bau- und meistens Dekorationszwecke in Architektur verwendet wird.

HOLZSCHNITZEREI

Die Holzschnitzerei hat eine kürzere Geschichte, da sie in der byzantinischen Zeit erschien; die wichtigsten Beispiele betreffen Kirchengegenstände, wie Ikonenständer, Ikonenwände, Kerzenständer, sowie Möbel und Alltagsartikel. Lokale Handwerker herstellen noch heute in mehreren Gebieten traditionelle geschnitzte Gegenstände.

Die lokale Tradition lebt noch heute in Lasithi. Hier kann man verschiedene Formen der Volkskultur finden, die als Ausdrucksmittel der Leute dienen und ihre Werke und Tätigkeiten beherrschen. Die Holzschnitzerei, die Kunst der Abbildung von Figuren und Darstellungen auf dem Holz, hat den kommenden Generationen ein bedeutendes Erbe hinterlassen. Die berufstätigen Holzschnitzer haben diese seltene Kunst erhalten, indem sie die beruflichen Geheimnisse und Techniken an ihre Kinder weitergegeben haben.

DEKORIERTES BROT

Das dekortierte Brot ist das Hauptgeschenk für die Trauzeugen und die Paten. Es geht um kleine Kunstwerke der Hausfrauen, die insbesondere in den Bergdörfern diese Sitte noch heute erhalten. Das Brot wird mit Reliefnatursymbole dekoriert, wie Blumen, Vögel, Schlangen und Tiere.

KORBFLECHTEREI

Eine der ältesten Handwerke der kretischen Volkskunst ist die Korbflechterei, die in den letzteren Jahren im Niedergang begriffen ist. Mit Rohstoffen aus der Natur, z.B. Schilf, Mastixbaum oder Mönchpfeffer, herstellten die Einheimischen nützliche Gegenstände für das Leben auf dem Land und bei den Haustieren. Heute findet man berufstätige Kopfflechter im Dorf Mixorrouma, in der Nähe von Spili. Ein der Korbflechterei ähnliches Handwerk ist die Tragekorbflechterei, eine sehr schwierige handwerkliche Tätigkeit für die Herstellung von Tragekörben, die in sehr wenigen Gebieten noch lebt: im Dorf Nivritos in der Nähe von Zaros, in Gonies von Malevizi und in Mixorrouma in der Nähe von Spili.

HERSTELLUNG VON MESSERN

Bestandteil der traditionellen Tracht ist das Messer. Das kretische Messer hat eine stählerne Klinge, worauf manchmal eine Mantinada graviert ist. Der Messergriff ist aus Horn und wird oft mit verschiedenen Motiven verziert, während die Scheide einfach aus Holz ist. Die Messer jedoch, die zur festlichen Tracht getragen werden, haben eine verzierte Scheide aus Silber. Die Herstellung von Messer erreichte eine hohe Blüte in den früheren Jahren. In Heraklion gab es ein ganzes Stadtviertel, worin es nur Werkstätten für die Herstellung von Messern gab.