Religiöse Traditionen

SEIT DEM FRUEHEN CHRISTENTUM WURDE KRETA ZU EINER WIEGE DES ORTHODOXEN CHRISTENTUMS.

Dies zeigt sich in den Hunderten von religiösen Monumenten auf der Insel. Die religiöse Tradition ist in allen Gebieten Kretas stark verbreitet und gehört zum alltäglichen Leben der Kreter. Für Kreta ist autonomer Erzbischof zuständig, der vom Rest Griechenlands unabhängig ist. Kreta ist mit seinen Tausenden von Gebetsstätten und Dutzenden von Klöstern, die eine besondere Rolle bei der Festigung des Christentums und im Kampf gegen die Eindringlinge gespielt haben, ein ideales religiöses und historisches Ziel.

Seit dem frühen Christentum, als der Apostel Paulus Kreta besuchte und zwei Jahre lang die neue Religion predigte, hat sich die christliche Tradition über die Jahrhunderte hinweg entwickelt. Überall auf Kreta kann man abgeschiedene Orte des klösterlichen, selbst auferlegten Exils, Spuren frühchristlicher Basiliken, Höhlenkapellen und byzantinische Kirchen mit Wandmalereien finden.

Viele Klöster spielten während der Freiheitskämpfe der Kreter eine wichtige historische Rolle. Außerdem florierte die kretische Ikonografie besonders in der venezianischen Ära mit El Greco und Michael Damascenus als den wichtigsten Vertretern.

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Anfänge

Bevor der Apostel Paulus seine Reise nach Rom fortsetzte, blieb er zwei Jahre auf Kreta, um die Lehre des Christentums zu verkünden. Dies war der Ausgangspunkt einer jahrhundertelangen Tradition der Askese, die noch immer äußerst lebendig ist. Bevor Paulus sich nach Rom aufmachte, wurde sein Schüler Titus zum ersten Bischof von Kreta ernannt.

Die neue verbotene Religion begann sich allmählich auf der Insel auszubreiten. Insbesondere nachdem die Mailänder Vereinbarung (auch „Toleranzedikt von Mailand“) im Jahre 313 n. Chr. getroffen wurde, die die Toleranz gegenüber dem Christentum im Römischen Reich dauerhaft gewährte, wurden die ersten monumentalen Tempel erbaut.

TippLAUT UEBERLIEFERUNG LEBTE DER APOSTEL PAULUS ZWEI JAHRE IN EINER KLEINEN HOEHLE BEI KALI LIMENES, DIE FUER BESUCHER GEOEFFNET IST.

Frühchristliche Monumente

Die ersten Basiliken, eine Art Tempel mit einer spezifischen Architektur, wurden im 4. Jahrhundert n. Chr. gebaut. Ihre Überreste sind noch immer sehr beeindruckend aufgrund ihrer Größe und imposanten Erscheinung.

Auf Kreta wurden um die 80 Basiliken gefunden. Diese Zahl deutet auf einigen wirtschaftlichen Wohlstand hin, da die Erbauung solch großer Monumente sehr teuer war. In Gortys, Kretas Hauptstadt bis zur Herrschaft der Araber, befindet sich das größte Monument, das dem Heiligen Titus geweiht ist. Seine Reste stehen in der Nähe des Dorfes Mitropoli, wobei es eine kleinere Basilika an der archäologischen Stätte von Gortys gibt, die ebenfalls dem Heiligen Titus geweiht ist.

Neben den Basiliken von Gortys können Besucher Ruinen ähnlicher religiöser Monumente in Hersonissos, Fragokastelo, Elounda, Almyrida, Panormos, Goulediana, Sougia, Eleftherna und in anderen Teilen Kretas besichtigen.

Land der Heiligen

Der Apostel Paulus hinterließ den künftigen Predigern des christlichen Glaubens ein großes Erbe. Sein Nachfolger, der Heilige Titus, war bald eine weit bekannte herausragende Persönlichkeit. Heute wird sein Totenschädel in der imposanten Kirche des Heiligen Titus in Heraklion aufbewahrt.

Eine weitere wichtige religiöse Figur ist der Heilige Johannes der Eremit, der als Begründer der Askese auf der Insel betrachtet wird. Johannes kam mit 98 weiteren Eremiten aus Ägypten nach Kreta und lebte in Höhlen, wo sich heute das Azogyres-Kloster befindet. Später lebte er alleine in den Höhlen von Marathokefala und am Kap Akrotiri, wo sich eine reiche asketische Tradition entwickelte.

Ein anderer Bischof von Kreta, der Heilige Myron aus Rafkos, wird im Dorf Agios Mironas prachtvoll gefeiert. In der Höhle, in der er lebte, fließt heiliges Wasser. Während der Herrschaft von Kaiser Decius wurden zuletzt zehn Christen aufgrund ihres Glaubens an Jesus Christus geköpft. Heute steht das Dorf Agii Deka (griechisch für „Zehn Heilige“) an der Stelle, wo die Märtyrer ihr Leben ließen.

TippPAPST ALEXANDER V (1409-1410), GEBURTSNAME PETER PHILAGRIS, STAMMTE AUS KRETA.

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Tradition der Askese

Mit der Ankunft des Heiligen Johannes des Eremiten auf Kreta begann eine große Tradition der Askese, die sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Hunderte von Eremiten zogen sich in die abgelegensten Teile der Insel zurück und bildeten asketische Gemeinschaften, die sich später zu florierenden Klöstern entwickelten.

Ein besonderes Beispiel der Einsiedelei ist das katholische Kloster am Kap Akrotiri, wo Eremiten in den Höhlen weit weg von weltlichen Vergnügungen ihrem klösterlichen Leben nachgingen. Ebenso wichtig waren die religiösen Stätten der abgelegenen Halbinseln Gramvousa und Rodopos, wo mehrere kleine Klöster entstanden.

Die größte aller Einsiedeleien bildete das natürlich isolierte, unwegsame Asterousia-Gebirge im Süden Heraklions. In Hunderten von Höhlen von Agios Nikitas bis zum Kap Lithino leben noch immer Eremiten. Der Kontakt unter ihnen war so eingeschränkt, dass sie sich nur einmal im Jahr in Agiofarago und Martsalo in der Höhle Goumenospilio trafen und zählten, wie viele von ihnen das Jahr jeweils überlebt hatten.

Im Osten Kretas, in der nördlichen Provinz Mirabello, befindet sich das größte Gebiet der Askese mit Dutzenden von kleinen klösterlichen Einrichtungen. Hier gründeten Eremiten kleine Klöster, wo sie für gewöhnlich allein lebten.

Klösterliche Tradition

Nach der Befreiung Kretas von den Arabern durch Nicephorus Phocas im Jahre 961 n. Chr. folgte eine Zeit der kulturellen Renaissance, die sich in den Monumenten dieser Zeit widerspiegelt und die während der venezianischen Herrschaft fortdauerte.

Die meisten großen und kleinen Klöster der Gegenwart wurden zu dieser Zeit gegründet. Abgesehen davon, religiösen Zwecken zu dienen, spielten die meisten eine wichtige Rolle bei den Freiheitskämpfen der Kreter, insbesondere nach der Eroberung Kretas durch die Osmanen.

Klöster waren die einzigen Orte, an denen Christen Schutz finden und ihre militärischen Vorhaben planen konnten. Da ihnen die Hilfsaktivitäten der Mönche verdächtig schienen, zerstörten die Osmanen mehrere Klöster, die als Zentren der Revolution fungierten.

Noch heute folgen Besucher staunend der Geschichte der Zerstörung des Arkadi-Klosters im Jahre 1866. Laut Überlieferung beschlossen damals die belagerten Christen, das Pulverfass der Abtei zum Explodieren zu bringen und lieber zu sterben, als sich den Osmanen auszuliefern. Über alle Klöster dieser Zeit werden ähnliche Geschichten erzählt.