Palekastro | Locations

Palekastro

  • MAP
  • LIKE

Am nördlichsten Ende der Ostküste Kretas liegt eine minoische Siedlung, die während der spätminoischen Zeit (1550-1220 v. Chr.) ihre Blütezeit hatte, jedoch wurden hier auch Überreste aus der früh- und mittelminoischen Zeit (3000-1550 v. Chr.) aufgefunden, vor allem Friedhöfe mit gut aufgebauten Beinhäusern, aber auch Ruinen von ziemlich großen Häusern.

Die Besiedlung endete, als Zakros verwüstet wurde (1450 v. Chr.) Eine Neubesiedlung fand in der Spätminoisch III Zeit statt (1300-1200 v. Chr.). Die Stadt erstreckte sich über 50.000 m2, hatte keine Stadtmauern und war dicht besiedelt. Im Nordosten eines der Stadtteile wurde das Heiligtum des Diktäischen Zeus gefunden, das verwaltungsmäßig zur Stadt Itanos gehörte. Der Kult im Heiligtum wurde kontinuierlich von der geometrischen Zeit (8. Jahrhundert v. Chr) bis zur römischen Eroberung ausgeübt. Anscheinend wurde das Heiligtum von fanatischen Christen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. geplündert und zerstört.

Die Struktur der minoischen Stadt von Palekastro ist wie folgend: Die Siedlung durchquert eine Hauptstraße, während sie kreuzende, größere oder kleinere, gepflasterte und teils gestuftete Straßen die Stadt in neun Bezirke unterteilen. Das hervorragende Entwässerungssystem verzweigt sich in allen Stadtteilen. Alle Häuser entlang der Hauptstraße haben imposante Fassaden.

Bezirk B: Er umfasst fünf Häuser mit großsteinigen Außenwänden, während die Innenwände aus Ziegeln gebaut waren. Die Schwellen, die Pflasterungen der Böden und die Säulenfüße waren aus einer besonderen Art von Kalkstein gebaut, der aus Kavo Sidero hereingebracht wurde. Das wichtigste dieser Häuser (Zimmer 1-22) hat einen Eingang von der Hauptstraße, während von demselben Raum ein Treppenhaus begann, das zum zweiten Stock führte. Hinter diesem Raum gab es einen offenen Hof mit Holzsäulen, von denen nur die Steinfüße erhalten sind. Die Säulen wechselten sich mit viereckigen Pfeilern ab. Vorhallen führen zum „Megaron“, dem Hauptraum des Hauses, in dessen Mitte es einen viereckigen Platz mit Säulen an jeder Ecke gab, von denen die Füße noch erhalten sind. Es handelt sich um einen Lichtschacht. Es gibt noch Küchen, ein Reinigungsreservoir, einen Brunnen, ein Hausheiligtum, einen Öllagerraum und einen Empfangsraum, der später getrennt und in Lagerräume verwandelt wurde. Interessant in diesem Bezirk ist auch eine Ölmühle, wie es aus einem Ölabscheider und Pithoi (Vorratsgefäße) zur Lagerung von Öl festgestellt werden kann.

Bezirk D: Er ist der größte (1800 m2) und beinhaltet viele Häuser, deren wichtigstes ( Zimmer 18-40) ein „Megaron“ mit Lichtschacht enthält, ähnlich wie das Haus des Bezirkes B. In einem ähnlichen Gebäude im selben Bezirk gibt es auch einen Abwasserkanal, der das Regenwasser von dem offenen Innenhof in die Straße ableitet.

Bezirk C: Das größte Haus des Bezirkes hat eine luxuriöse Fassade mit großen Quadersteinen, aber auch einen zweiten Eingang, ein „Megaron“ mit Lichtschacht, ein Bad und eine Werkstatt. Viele der aufgefundenen Gefäße zeigten ägyptischen Einfluss auf ihre Dekoration. Die Häuser in diesem Bezirk, wie das in anderen Bezirken auch der Fall war, wurden anscheinend durch einen Brand zerstört.

Bezirk E: Er besteht aus mindestens vier Häusern, von denen einige auf älteren Fundamenten errichtet wurden, wobei eines der Häuser sogar in der historischen Zeit bewohnt wurde. In diesem Bezirk wurde eine Traubenpresse aufgedeckt. Im Nordosten des Bezirkes X in den Fundamenten der Häuser wurde das Heiligtum des Diktäischen Zeus aufgedeckt. Eine in mehrere Stücke zerbrochene Inschrift, auf der eine Hymne an den Diktäischen Zeus erhalten ist, wurde in der näheren Umgebung gefunden. Nur geringe Teile des Tempels sind erhalten geblieben: die Umfassungsmauer und innen der Altar. Dort wurden Stirnziegel in Form eines Löwenkopfes gefunden. Die Funde aus Palekastro werden im Museum von Sitia ausgestellt.

In der Lage Roussolakos, wo die minoische Stadt liegt, wurden systematische Ausgrabungen von dem britischen Archäologe R. C. Bosanquet durchgeführt und 1906 von R.M. Dawkins fortgesetzt. Beide waren Mitglieder der britischen Schule für Archäologie. Im zweiten Weltkrieg wurden einige der ausgegrabenen Bezirke zerstört, während viele Schäden später durch einen Bagger verursacht wurden. In der Zeit von 1965-66 fanden Ausgrabungen in einem Stadtbezirk und auf dem benachbarten Hügel Kastri statt. Grabungsarbeiten begannen wieder 1986 von der britischen Schule für Archäologie an der früheren Ausgrabungsstätte und werden heute nach wie vor durchgeführt.