Elos – Agios Dikaios | Locations

Elos – Agios Dikaios

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Wir beginnen unsere Reise an der Kreuzung Kaloudiana Richtung Topolia und fahren wir am Dorf Voulgaro vorbei; sein Name kommt daraus, dass das Dorf 961 von Bulgaren Soldaten besiedelt war, die Nikiphoros Phokas auf Kreta  mitbrachte.

Ein bisschen weiter von Voulgaro gibt es noch heute Fließgewässer, woran die nach Wasser verlangende Silberpappel wächst; der slawische Name des Baums ist „Topolia“, wonach das heutige Dorf von Topolia sich genannt wurde.  Silberpappeln findet man noch heute in Topolia, doch die Rührung der Naturfreunde erreicht den Höhenpunkt, wenn sie im Frühling (April – Mai) bei dem Topolia-Tunnel gehen und einen Blick auf die Abhänge der Schlucht werfen, worauf der vielleicht wunderschönste Strauch Griechenlands, der endemische „Ebenus cretica“ („ploumi“ oder „katsoulia“ auf Griechisch) blüht.

Hier findet man auch den wild wachsenden Salbei (Salvia pomifera) mit den schönen blauweißen Blüten, dessen Aufguss zur Verminderung der Blutzuckerwerte benutzt wird, sowie den uns bekannten Thymian (Coridothymus capitatus), die kretische Zistrose (Cistus creticus), den behaarten Stechginster (Calicotome villosa), den Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) und den Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua).

Weiter in der Schlucht findet man mehrere Baumgruppen von der duftenden Myrte (Myrtus communis). Die Myrte war der Göttin Aphrodite geweiht. Sie kommt viermal in den Werken von Theophrastos vor, während Dioskuridis ihre Früchte gegen Blasenstörungen und gegen Skorpion- und Spinnenbisse verwandte. Ihr Aufguss, gemischt mit Wein, diente als Heilmittel gegen Durchfall. Ihre Blätter und Früchte sind reich an Tanninen. Ihr typischer, angenehmer Duft ist dem in den Blättern enthaltenen ätherischen Öl zu verdanken. Der traditionellen kretischen Medizin nach wurden ihre getrockneten Blätter zur Therapie vom Dekubitus verwandt, während das Kauen der Fürchte die Zahnfleischentzündung wirksam bekämpfen sollte. Was, jedoch, unter botanischem Gesichtspunkt besonders interessant ist, ist die seltenen endemischen Pflanzen auf den Abhängen der Schlucht, die Centaurea argentea und Centaurea redempta. Auch wenn Sie von der Botanik keine Ahnung haben, werden Sie bestimmt von den Farben und Düften dieser märchenhaften Landschaft beeindruckt sein, falls Sie die Schlucht im Frühling durchwandern oder zumindest durchfahren.

Dem Weg folgend passieren wir unter die Höhle mit der malerischen kleinen Kirche von Agia Sofia und die Siedlung Katsomatado; wir wandern weiter durch Kastanien (Castanea sativa), Platanen (Platanus orientalis), Eriken (Erica ardorea mit Blütezeit im Frühling und Erica manipuliflora mit Blütezeit im Herbst) und auf beiden Seiten des Weges stehenden Erdbeerbäume (Arbutus unedo), bis wir das märchenhafte Dorf Elos erreichen, welches zusammen mit den Nachbardörfern Vlatos, Rogdia, Limni und Strovles eine grüne Oase des Lebens bilden. Hier ist man bestimmt von den Kastanienwäldern, die die berühmten kretischen Kastanienfrüchte bilden, begeistert.

Elos, das größte von den Neun Dörfern (Inachori), ist das Zentrum des Anbaus von Kastanien auf Kreta. Hier findet man auch Eriken und Erdbeerbäume, aus deren Früchten – nach der entsprechenden Gärung und Destillation – früher ein berühmter Raki, der „Koumaroraki“ hergestellt wurde.  Im Herbst können Sie die leckeren Früchte des Erdbeerbaumes probieren, die die Einheimischen besonders vorziehen; dies galt auch für die antiken Römer, die dachten, dass die Früchte schwer verdaulich waren und deshalb nur eine Frucht aßen (unum edo), wonach die Pflanzengattung sich genannt wurde (Arbutus unedo).

Im Herbst können Sie auch die leckeren Brombeeren probieren, die Früchte des Brombeerstrauchs (Rubus sanctus), der überall in der Region sich befindet. Der Mythologie nach war der Brombeerstrauch ein Händler für Kleidung, der die Frauen dazu brachte, Kleider zu kaufen; deshalb beschwerten sie sich darüber an Zeus und er verwandelte ihn in den bekannten Dornenstrauch. Demzufolge riss er noch heute die Kleider der Menschen, sodass sie neue kaufen und die Händler – seine ehemalige Mitarbeiter – unterstützen.

Hier finden wir auch den Styraxbaum (Styrax afficinalis) mit seinen wunderschönen, weißen, duftenden und im Frühling blühenden Blüten. Früher führte man Schnitte an dem Baumstamm, sodass ein halbfließiges Produkt ausgeschieden werden konnte; es handelt sich um eine Flüssigkeit mit vielleicht heilsamer Wirkung und sehr starkem Duft dank der enthaltenen Benzoe- und Zimtsäure und mehreren anderen Duftstoffe. Die getrocknete Pflanze wurde zur Herstellung der sogenannten „Bakhoor“ benutzt, ein Räucherwerk, das die Türken in ihren Moscheen verbrannten. Die Türkisch-Kreter mischten dieses Harz mit Olivenöl und herstellten ein Öl aus Bahkoor, das als Heilmittel gegen Rheuma und Frostbeulen sowie als Hautpflegeprodukt benutzt wurde.

Die wunderschönen und himmelhohen Bäume des Gebietes (Platanen, wilde Kastanien. usw.) umarmt der Efeu (Hedera helix), welchen der Mythologie nach Dionysos aus Asien nach Europa brachte; deshalb war er dem Gott geweiht. Man spricht davon in den Werken von Pausanias, Theophrastos und Dioskuridis. In der Homöopathie wird eine Tinktur von Efeublättern gegen Rhinitis, Rachitis und grauen Star benutzt. Die Frucht ist toxisch und verursacht Hautpusteln. Der traditionellen kretischen Medizin nach werden die Efeublätter zur Herstellung von Kataplasmen gegen Verbrennungen benutzt. Das Holz sei optimal für die Herstellung von der kretischen Lyra. Die Pflanze ist besonders wichtig für die Bienenzucht, weil sie im Herbst blüht und die Bienen mit Nektar und Pollen versorgt.

Wenn wir weiter wandern, wäre es respektlos gar nicht von dem erweiterten Anbau der fruchtbaren Olivenbäume (Olea europea) zu reden, und zwar von der Sorte „Mastoidis (Mastoid)“ oder „Tsounati“, deren leckere Früchte (gequetschte Oliven, grüne Oliven im Saft von Pomeranzen, eingesalzene Oliven) und das ausgezeichnete Olivenöl die Bewohner dieses Landes finanziell absichern.

Außer der mäßig ausgebildeten Vegetation des Gebietes entdeckt man unter den Bäumen und Sträuchern die seltenen und geschützten endemischen Arten Lathyrus neurolobus, Carex cretica und Symphyamdra cretica mit den herrlichen blauen Blumen, welche der Grund ist, warum der Gebiet von höchstem botanischen Interesse ist.

Wenn wir höher nach dem Gipfel Agios Dikaios (Höhe: 1008m) ansteigen, finden wir wichtige Populationen vom endemischen Alpenveilchen (Cyclamen creticum) und den seltenen endemischen Pflanzen, die wir auch in Topolia Schlucht fanden, Centaurea argentea und Centaurea redempta;  hier gibt es noch die Brassica cretica ssp cretica, eine seltene, an den Klippen wachsende Pflanze, die sich außer Griechenland nur in Libanon befindet.

Wenn wir den Gipfel erreichen, entschädigen wir uns dafür mit einem einzigartigen, unglaublichen Bild von den bewaldeten Gebieten Kretas zusammen mit dem Blau des Himmels und des in der Ferne liegenden Meers.

(Übersetzung des von Herrn Kostas Oikonomakis verfassten Textes)

  • Schwierigkeitsgrad der Strecke: Leicht
  • Besuchszeitraum: Januar – Dezember